Gut zu wissen ,

Schmerzpatienten brauchen Linderung

Gleich zwei aktuelle Umfragen offenbaren: Patienten mit chronischen Schmerzen werden oft nicht ernst genommen und nicht ausreichend behandelt. Aber es geht auch anders, wie die Geschichte einer Betroffenen zeigt.

294 Schmerzpatienten aus 13 europäischen Ländern wurden für „PainSTORY“ viermal in einem Jahr befragt. Die Studie dokumentiert, wie es tatsächlich ist, jeden Tag, 365 Tage im Jahr, mit Schmerzen zu leben. Dabei kam zutage, dass viele ihre Arbeitszeit verkürzen mussten, sich von Freunden allein gelassen und unverstanden fühlten und unter Angst und Depressionen leiden. Besonders bedenklich: Zuletzt hatten 95 Prozent noch immer mittelstarke bis starke Schmerzen, 19 Prozent sogar mehr als zuvor. Trotzdem waren nur 23 Prozent innerhalb des Jahres auf ein stärkeres Schmerzmittel umgestellt worden.

Lebensqualität ist „Schmerzens-Wunsch“ Nr. 1

Dazu passen die Ergebnisse der Aktion „Schmerzens-Wunsch“ der Initiative Schmerz messen. Ziel der Aktion ist es, die Wünsche von Schmerzkranken in Worte zu fassen, ihren Leidensdruck zu dokumentieren und so auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

Schmerzpatienten, Angehörige, Ärzte und Pflegekräfte haben die Chance genutzt und 3.274 Karten und E-Mails mit 4.502 individuellen Wünschen geschrieben. Ihr „Schmerzens-Wunsch“ Nr. 1 ist Lebensqualität. Das bedeutet adäquat gelinderte Schmerzen, wieder aktiv sein, den Arbeitsalltag bewältigen oder nachts wieder durchschlafen können.

Die „Schmerzens-Wünsche“ der Patienten basieren auf persönlichen Erfahrungen, beziehen sich aber auch auf gesundheitspolitische und gesellschaftliche Strukturen. Dabei ist jeder Wunsch gleich wichtig, wie Dr. Marianne Koch aus Tutzing, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga e. V., betonte. Denn jeder einzelne Wunsch stehe für ein Schicksal und zeige die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Schmerzpatienten in Deutschland auf. Zusammenfassen lassen sich die Wünsche in folgende Bereiche


  • bessere Lebensqualität,
  • bessere schmerztherapeutische Versorgung,
  • ausreichende Schmerzlinderung bzw. wirksame und verträgliche Schmerztherapie,
  • mehr Verständnis und Akzeptanz und
  • bessere Ausbildung der Ärzte im Bereich „chronische Schmerzen“.

Keine Scheu vor starken Opioiden

Schmerztherapie ist bisher nicht Teil des Medizinstudiums, wie Dr. Gerhard Müller-Schwefe aus Göppingen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V., kritisierte. Deshalb behandelten Ärzte die Patienten mit starken chronischen Schmerzen oft viel zu lange mit schwachen, dabei aber schlecht verträglichen Mitteln.

So erging es auch Navanita Brucker (53), leitende Angestellte: Beim Inline-Skaten brach sie sich das Handgelenk. Durch eine Nervenverletzung bei der anschließenden Operation entwickelten sich schwerste Dauerschmerzen. Die Behandlung mit einem schwachen Opioid half ihr kurzzeitig, machte sie aber müde und antriebslos. So nahm sie tagsüber gar nichts und litt dabei. Abends aber nahm sie viel zu viel, um überhaupt schlafen zu können.

Erst die Überweisung zum Schmerzspezialisten Müller-Schwefe brachte ihr nach fünfjähriger Odyssee Schmerzlinderung: Er stellte sie auf ein starkes Opioid (Oxycodon) um, das die Wirkstoffe verzögert freisetzt. Dieses ist gezielt mit einem Gegenspieler (Naloxon) kombiniert, um Nebenwirkungen auszubremsen. Durch diese Fixkombination werden für Opioide typische Beeinträchtigungen der Darmfunktion von Anfang an verhindert, die normale Darmfunktion bleibt erhalten. Seitdem hat sie Lebensqualität zurück gewonnen: In ihrer Freizeit näht sie wieder, und auch mit dem Skaten hat sie wieder angefangen.


Weitere Ergebnisse und Informationen zum Thema „chronische Schmerzen“ sowie Tipps, wie Schmerzpatienten selbst dazu beitragen können, dass sie eine adäquate Schmerztherapie erhalten, finden Sie auf www.schmerzmessen.de.

Pressegespräch „Schmerzpatienten zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Initiative Schmerz messen zeigt Diskrepanzen“ am 10. November 2009 in Berlin

Veranstalter: Initiative Schmerz messen, unterstützt durch Mundipharma

Bericht: Simone Reisdorf (rdf)

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