Depression und Allergien

Depressionen und Allergien nehmen zu in den westlichen Industrienationen. Der Anstieg beider Erkrankungen hängt jedoch nicht miteinander zusammen.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen verursachen keine Allergien. Gezeigt wurde jedoch, dass Depressionen bei Allergikern Krankheitsschübe auslösen und die allergischen Beschwerden verstärken können.

Chronische allergische Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen können wiederum die Psyche so belasten, dass manche Patienten langfristig depressive Symptome entwickeln.

Allergien

Als Allergie (griechisch: allo=fremd, ergon=Reaktion) wird in der Medizin eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Substanzen bezeichnet, die für gesunde Menschen harmlos sind. Substanzen, die Allergien auslösen, nennt man Allergene. Allergene können Pflanzenstoffe wie Gräserpollen, Tierprodukte oder Tierhaare sowie Bienengift, Metalle wie Nickel oder Chemikalien und Konservierungsstoffe sein. Die Beschwerden dauern so lang an, wie der Körper den Allergenen ausgesetzt ist.

Ursache einer Allergie ist meist eine genetische Disposition (Krankheitsneigung), die irgendwann im Leben durch zusätzliche Faktoren verstärkt wird. Allergieauslösende Faktoren können sein:

  • Schädliche Umwelteinflüsse (Luftschadstoffe, Zigarettenrauch, Feinstaub)
  • Ungesunde Ernährung (zuviel Fett, zu wenig Vitamine und Ballaststoffe)
  • Zusatzstoffe in Lebensmitteln (Konservierungsstoffe, Pestizidrückstände, Farbstoffe)
  • Psychische Belastungen wie Stress, Angst, Ärger und Depressionen
  • In der Medizin werden Allergien nach ihrem Reaktionstyp klassifiziert.
  1. Die häufigsten Allergien im Alltag sind Allergien vom Soforttyp. Die allergische Reaktion setzt innerhalb von Sekunden oder Minuten ein. Zu den häufigsten Allergien vom Soforttyp gehören Heuschnupfen (allergische Rhinitis), Hausstauballergie, das allergische Asthma und, als gefährlichste Erscheinungsform, der anaphylaktische Schock. Beim Soforttyp rufen bestimmte Botenstoffe des Immunsystems entzündliche Reaktionen an Haut oder Schleimhäuten hervor. Bei manchen Allergien, wie der Neurodermitis erfolgt die Reaktion im ganzen Körper (systemisch). Bei anderen Soforttyp-Allergien ist die allergische Reaktion auf den Kontaktbereich begrenzt, z.B. bei Asthma oder Heuschnupfen auf die Atemwege.
  2. Im Gegensatz dazu setzen die allergischen Reaktionen vom Spättyp erst innerhalb der folgenden 24 bis 48 Stunden nach Kontakt mit dem Allergen ein. Auch diese Allergien kommen sehr häufig im Alltag vor. In diese Gruppe gehören Kontaktallergien, die sich meist als ein Hautekzem bemerkbar machen, wie Allergien gegen Metalle, Salbengrundlagen, Duft- und Farbstoffe, Desinfektionsmittel oder Friseurstoffe.

In Deutschland leiden etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung unter Allergien, Frauen etwas häufiger als Männer1. Die Zahl der Allergiker nimmt stetig zu, vor allem bei Kindern. Stadtkinder leiden 15-mal häufiger unter Allergien als Landkinder1. Kinder in den Industrienationen sind häufiger betroffen als Kinder in Entwicklungsländern.

Wissenschaftler vermuten, dass übertriebene Hygiene in den ersten Lebensjahren die Entstehung von Allergien begünstigt. In dieser Zeit werden Teile des Immunsystems entwickelt und trainiert. Das Immunsystem lernt, angemessen auf alle Stoffe aus der Umwelt zu reagieren. Ist das Immuntraining in dieser Phase unzureichend, kann dieser Lernschritt später vom Immunsystem nicht mehr nachgeholt werden.

Allergien, Immunsystem und Psyche

Hormon- und Nervensystem, Psyche und Immunsystem sind auf komplexe Weise miteinander verbunden. Die Wechselwirkungen werden im medizinischen Fachgebiet der Neuro-Psycho-Immunologie untersucht2.

Bisher wurde beschrieben, dass

  • das Immunsystem eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer und psychosomatischer Krankheiten spielt,
  • das Zentralnervensystem über die Psyche Einfluss auf die Immunabwehr hat
  • Botenstoffe des Hormonsystems, des Immunsystems und des Nervensystems miteinander kommunizieren.

Über diese Kommunikationswege ist es möglich, dass längerfristig anhaltende psychische Stimmungslagen wie Freude und Zuversicht einerseits oder Niedergeschlagenheit und Stress andererseits, physiologisch auf Aktivierungs- oder Hemmprozesse des zentralen Nervensystems und auf das Zusammenspiel zahlreicher Botenstoffe einwirken.

Depressionen und Allergien

Depressionen haben großen Einfluss auf das zentrale Nervensystem, auf das vegetative Nervensystem und auf das Immunsystem.

Die Beziehungen zwischen Allergien und Depressionen sind wechselseitig:

Allergien werden nicht durch psychische Einflüsse wie Stress oder Depressionen verursacht. Bestehende allergische Erkrankungen können jedoch durch psychische Faktoren ausgelöst, verstärkt oder aufrechterhalten werden. Bei den allergischen Erkrankungen Asthma, Neurodermitis und Heuschnupfen ist der Einfluss der Psyche auf den Krankheitsverlauf inzwischen beschrieben2.

  • Bei vielen Neurodermitis-Patienten verstärken sich Hautausschläge und Juckreiz bei Aufregung und Stress.
  • Asthma-Anfälle werden in mehr als der Hälfte aller Fälle nicht nur durch Allergene, sondern auch durch emotionale Faktoren ausgelöst.
  • Die Beschwerden bei Heuschnupfen sind ausgeprägter, wenn der Patient in “seiner” Pollenzeit belastenden Konflikten ausgesetzt ist.

Chronische allergische Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen können wiederum, vor allem bei schwerem Verlauf, die Psyche so belasten, dass sich im Lauf der Zeit eine behandlungsbedürftige Depression entwickelt.

Die Symptome von Depressionen und Allergien können sich gegenseitig verstärken . Daher ist die möglichst frühzeitige Diagnose und Behandlung beider Erkrankungen sehr wichtig.

Diagnose

Bei Allergien gestaltet sich die Suche nach dem Allergen häufig schwierig, da sehr viele unterschiedliche Stoffe Allergien auslösen können. Andere Erkrankungen verursachen manchmal ähnliche Beschwerden. Zudem reagieren viele Allergiker auf mehrere Stoffe.

Anamnese (Erfassung der Krankengeschichte)

Die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) kann bereits Hinweise auf die Art der Allergie geben. Der Arzt informiert sich über Symptome und Krankheitsdauer, die Schwere der allergischen Reaktionen und die psychische Belastung durch die Krankheit. Zudem versucht er herauszufinden, welche individuellen physischen und psychischen Einflussfaktoren beim Patienten Allergieschübe verursachen. Ob bei einem Allergie-Patienten auch eine Depression vorliegt, kann über spezielle Fragebögen und Interviews ermittelt werden.

Körperliche Untersuchung

Eine gründliche körperliche Untersuchung dient dem Ausschluss von anderen Erkrankungen.

Testverfahren an Patienten

Bei Allergien vom Soforttyp gibt es zahlreiche Testverfahren bei denen der Patient potenziell “verdächtigen” Allergenen zur Identifizierung der “Übeltäter” ausgesetzt wird.

Blutuntersuchung

Auch eine Blutuntersuchung kann der Identifizierung von Allergenen dienen. Bei manchen Allergien findet der Arzt spezielle Antikörper oder Abwehrzellen im Blut.

Therapie

Da Allergien und Depressionen durch sehr variable individuelle Faktoren ausgelöst und verstärkt werden können, muss auch der Therapieplan aus entsprechend verschiedenen, individuellen Behandlungsbausteinen zusammengestellt werden.

Teile des Therapieplanes können sein:

Expositionsprophylaxe (Vermeiden der Allergene)

Bei manchen Allergien, wie einer Kontaktallergie gegen Nickel oder einer Tierhaarallergie, ist die einfachste Maßnahme, das Allergen zu meiden. Schwierig oder unmöglich ist dies bei Stoffen, die überall vorkommen, wie Hausstaub oder Pollen.

Gesunde Lebensweise

Für Allergiker ist es wichtig, auf eine gesunde Lebensweise zu achten, damit das leicht überreagierende Immunsystem nicht unnötig strapaziert wird.

Hyposensibilisierung / Desensibilisierung

Bei einer Hypo- oder Desensibilisierung lernt das Immunsystem, durch wiederholten und gezielt dosierten Kontakt angemessen mit einem Allergen umzugehen. Diese Therapieform wird erfolgreich bei Heuschnupfen oder Hausstauballergie angewendet.

Medikamente

Medikamente gegen reaktionsauslösende Botenstoffe, so genannte Antihistaminika oder Cortison zur Bekämpfung der Entzündung sind bei Allergien sehr häufig zur Linderung von Beschwerden wirksam.

Ausdauertraining

Regelmäßiges Ausdauertraining führt zum Abbau von Stresshormonen, stärkt das Immunsystem und wirkt gleichzeitig positiv gegen Depressionen.

Antidepressiva

Antidepressiva können dem Patienten helfen, aus Perspektivlosigkeit und Antriebslosigkeit wieder herauszufinden und aktiv an seinem Behandlungsplan mitzuarbeiten.

Psychotherapie/Verhaltenstherapie

Psychotherapie und Verhaltenstherapie sind neben den Antidepressiva ein wichtiger Bestandteil zur Therapie von Depressionen.

Akupunktur und Homöopathie

hilft vielen Menschen mit Heuschnupfen und Asthma. Aber auch depressive Patienten berichten, dass Akupunktur ihnen gut tut.

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung nach Jakobsen können den Patienten unterstützen, innerlich ruhiger und gelassener zu werden und damit besser mit Stress und Depressionen umgehen zu können.

Quellenverzeichnis

1 Medicine-Worldwide: Allergien – Allgemeines, www.medicine-worldwide.de

2 Deutsche Gesellschaft für Psycho-Allergologie e.V.: Psychoneuroimmunologie, www.psycho-allergologie.de

3 BKK24: Gesundheitsratgeber Immunsystem: Die Auswirkungen von Stress und Depressionen auf das Immunsystem, www.bkk24.de

4 Allergien von Typ I bis Typ IV, www.hal-allergie.de (ohne Jahresangabe)

5 Allergie und Psyche – Auf den reagiere ich allergisch…, www.gesundheit-aktuell.de, Dez. 2001

6 Stauder, A. et al.: Erhöhtes Allergierisiko bei stationär depressiven Frauen: Welche Rolle spielen elektrodermale und kognitive-emotionale Variablen?, Psychiatrische Praxis 2003: 30, Supplement 2: S. 187 – 192, www.zfp.de

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  • Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen:
    Colitis ulcerosa

    Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind als chronisch entzündliche Darmerkrankungen bekannt. Es handelt sich dabei um Darmentzündungen, mit denen der Betroffene sich meist lebenslang auseinandersetzen muss. Kennzeichnend für chronisch entzündliche Darmerkrankungen ist, dass es in Intervallen zu schmerzhaften Entzündungsschüben kommt, die sich mit Phasen abwechseln, in denen die Symptome gar nicht oder nur abgeschwächt vorhanden sind.

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