Die Arzneimittelforschung im Dienst der Patienten mit Depression

Die Arzneimittelforschung im Dienst der Patienten mit Depression

Ein neues Medikament bis zur Marktreife zu entwickeln, kostet viel Zeit und Geld. Man rechnet ca. 10 Jahre bis ein Arzneimittel alle Entwicklungsstadien der Forschung durchlaufen hat. Weshalb dies so lange dauert und weshalb die Forschungsaufwendungen bis zu fünfhundert Millionen Euro verschlingen können, sei hier erklärt.

Zunächst sollte man sich als Laie von der Vorstellung befreien, neue Medikamente werden in der “Laborküche” erfunden, wo in qualmenden Reagenzgläschen irgendwelche geheimnisvollen und bunten Substanzen vor sich hin brodeln. Diese Zeiten der Alchimie sind lange vorbei, und die Arzneimittelforschung ist zu einem bedeutenden High-Tech- Gebiet avanciert.

Neue Medikamente werden zunächst am Computer entwickelt. Moleküle oder Molekülbausteine werden zusammengesetzt, die Struktur verändert, wieder verändert, ein Atom hinzugefügt usw., ein Prozess, der mittlerweile nur mit modernster Computertechnik zu bewältigen ist. Von ca. 1000 “neuen” Substanzen die am Computer entwickelt werden, kommen im Schnitt nur 2 in die weiteren Forschungsphasen.

Nachdem die neue Substanz hergestellt wurde, wird diese in der sogenannten präklinischen Phase auf ihre pharmakologischen Eigenschaften hin untersucht ( unter Pharmakologie versteht man die Lehre von den Wirkungen und Nebenwirkungen der Heilmittel). Diese präklinische Phase kann bis zu einigen Jahren dauern. Hat sich die Substanz als aussichtsreich herausgestellt, wird das neue Arzneimittel zum ersten Mal am Menschen eingesetzt. Man unterscheidet hier 4 Phasen der klinischen Forschung, die in der Fachpresse mit römischen Ziffern (I, II, III, IV) belegt sind. Sämtliche Phasen unterliegen allerstrengsten Auflagen und Kontrollen von Seiten des Gesetzgebers und sind natürlich nur mit der schriftlichen Einwilligung der Probanten oder Patienten, sowie der Genehmigung einer Ethikkommission, durchführbar.

In der Phase I wird die Substanz auf ihre sogenannten pharmakodynamischen Eigenschaften hin untersucht, und zwar an gesunden Probanden; d.h. es werden die Eigenschaften untersucht, wie sich eine Substanz im menschlichen Körper verteilt, wie sie verstoffwechselt und ausgeschieden wird.

Die Phase II dient meist als sogenannte Dosisfindungsstudie. Hier werden am gesunden Probanden oder aber auch bereits am Patienten erste Tests gemacht, mit dem Ziel herauszufinden, welche Dosis am effektivsten und möglichst gleichzeitig am nebenwirkungsärmsten ist. Diese Dosis oder Dosen (u.a. abhängig vom Schweregrad der zu untersuchenden Krankheit) werden dann in der darauf folgenden Phase III an Patienten untersucht, meist im Vergleich zu einer bereits zugelassenen Substanz, Plazebo oder beidem gleichzeitig. Die Studien werden meist “doppelblind” durchgeführt d.h. sowohl der Patient als auch der Arzt wissen nicht, welche Substanz dem Patient verabreicht wird. Sinn dieser Massnahme ist es, weder Arzt noch Patient durch irgendwelche Zusatzinformationen in ihrem Verhalten zu beeinflussen. Sämtliche Forschungsphasen unterliegen strengsten Auflagen, und deren Einhaltung wird durch sogenannte Monitore in den Kliniken oder Forschungszentren vor Ort überprüft. Bei den Monitoren handelt es sich um speziell ausgebildete Personen mit naturwissenschaftlichem Hintergrund, die sich darüber hinaus auch im Arzneimittelrecht und in der Planung und Durchführung von klinischen Studien bestens auskennen müssen.

Klinische Studien können ohne Genehmigung einer Ethikkommission nicht durchgeführt werden, und müssen bei der Bundesbehörde dem BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte www.bfarm.de )in Berlin angezeigt werden.

Wie die Studien durchgeführt werden müssen ist in einer Art “Bedienungsanleitung”, dem sogenannten Studienprotokoll, bis ins Detail aufgeführt. Die Ärzte, die diese klinischen Studien durchführen, müssen sich penibelst an dieses Protokoll halten. Selbst kleinste, auch nicht beabsichtigte Verstöße gegen dieses Protokoll, können zum Ausschluss des Patienten oder sogar des Forschungszentrums aus der Studie führen.

Nach erfolgreicher Beendigung der klinischen Phasen I-III kann die Zulassung des Medikamentes beantragt werden. Dies erfolgt entweder auf nationaler Ebene, in Deutschland beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte www.bfarm.de , oder bei der europäischen Behörde EMEA (European Agency for the Evaluation of Medicinal Products, www.emea.eu.int ) mit Sitz in London. Der Vorteil des europäischen Verfahrens ist es, dass allen Patienten innerhalb der EU das neue Medikament bei erfolgter Zulassung theoretisch gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden kann. Hat ein Arzneimittel diese Zulassungshürde überwunden, steht es in der Regel 10 Jahre unter Patentschutz und darf von keiner anderen Firma kopiert und vermarktet werden. Somit gibt der Gesetzgeber dem forschenden Arzneimittelhersteller die Möglichkeit, die immensen Forschungskosten wieder einzuspielen. Nach 10 Jahren jedoch kann dieses Medikament von einem anderen Unternehmen kopiert und verkauft werden. Diese Produkte nennt man “Nachahmerprodukte” oder Generika, die meist wesentlich günstiger sind als das Originalpräparat, kein Wunder, sind diese doch mit keinerlei Forschungsaufwand verbunden .

Unter dem starken Kostendruck im Gesundheitswesen werden Ärzte von den Krankenkassen verstärkt dazu angehalten Generika zu verschreiben. Dies mag bei bestimmten Krankheitsbildern auch durchaus Sinn machen. Man sollte sich jedoch als Patient immer vor Augen führen, dass mit der Verschreibung eines Nachahmerproduktes eine Substanz zum Einsatz kommt, die schon seit mindestens 10 Jahren auf dem Markt ist, und es möglicherweise modernere Medikamente gibt, die in ihrem Wirkspektrum weitaus überlegen sind. Gerade beim Krankheitsbild der Depression ist dies der Fall, wo Medikamente die in den 50er Jahren entwickelt wurden, die sogenannten Trizyklika, meist aus Kostengründen heute noch vermehrt zum Einsatz kommen. Mittlerweile gibt es weitaus modernere und nebenwirkungsärmere Medikamente, wie beispielsweise die selektiven Serotonin-Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer.

Hat ein Arzneimittel erst einmal die Zulassung erreicht, steht die Forschung natürlich nicht still. Das Medikament wird in sogenannten Phase IV Studien weiterentwickelt, um zu prüfen, ob die Substanz möglicherweise auch in anderen Indikationen erfolgreich eingesetzt werden kann. So gibt es beispielsweise unter den neuen und modernen Antidepressiva auch eine Substanz, die bei der Behandlung von Angststörungen hervorragende klinische Ergebnisse zeigt und dafür auch die Zulassung bekommen hat. Dies nennt man in der Fachsprache eine “Indikationserweiterung”.

Selbstverständlich unterliegt die Phase IV Forschung den gleichen strengen Gesetzgebungen wie die der Phase I-III. Die meisten Ärzte treffen ihre Therapieentscheidung aufgrund dieser Studienergebnisse, die für die Medizin und die Wissenschaft – und damit natürlich auch für den Patienten – von größter Bedeutung sind.

Ohne diese aufwändige und teure Forschung könnten viele Krankheiten bis heute noch nicht adäquat behandelt werden. Man denke dabei nur an die großen Fortschritte, die bei der Behandlung von AIDS gemacht wurden. Galten HIV Patienten in den 80er Jahren noch als sichere Todeskandidaten mit nur relativ kurzer Überlebenszeit, hat sich dies zu Gunsten der Patienten, auch hinsichtlich der Lebensqualität, sehr zum Vorteil entwickelt.

Phytopharmaka bzw. homöopathische Arzneimittel unterliegen diesen strengen Forschungskriterien nicht, weshalb die klinische Datenlage zu wissenschaftlichen Studien im Sinne der Phase I-III meist sehr lückenhaft ist. In den meisten europäischen Ländern werden u.a. auch deshalb Phytopharmaka nicht, oder nur zu einem Bruchteil, von den Krankenkassen erstattet.

Die Forschung im Bereich der Depression hat in den letzten 20 Jahren große Fortschritte gemacht. Bleibt zu hoffen, dass sich die angespannte Kostensituation im Gesundheitswesen für die Patienten mit Depression und Angststörungen nicht nachteilig auswirkt, und jedem der Zugang zu modernen Arzneimitteln weiterhin möglich bleibt.

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Gesundheitstipp: Depression
Gesundheitstipp: Die Arzneimittelforschung im Dienst der Patienten mit Depression

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Blickpunkt

  • Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen:
    Colitis ulcerosa

    Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind als chronisch entzündliche Darmerkrankungen bekannt. Es handelt sich dabei um Darmentzündungen, mit denen der Betroffene sich meist lebenslang auseinandersetzen muss. Kennzeichnend für chronisch entzündliche Darmerkrankungen ist, dass es in Intervallen zu schmerzhaften Entzündungsschüben kommt, die sich mit Phasen abwechseln, in denen die Symptome gar nicht oder nur abgeschwächt vorhanden sind.

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