Gewaltbereitschaft und Suchtgefährdung bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS

In der Pubertät beginnen Jugendliche vermehrt, Gewohntes zu hinterfragen und Neues auszuprobieren. Freunde gewinnen an Bedeutung, die Orientierung am Elternhaus lässt nach. Diese Schritte zum Erwachsen werden sind zweifelsohne wichtig, damit sich Eigenständigkeit und Selbstvertrauen entwickeln können. Die Phase der Neuorientierung birgt aber auch Gefahren, denen besonders Jugendliche mit ADHS ausgesetzt sind.

Ist die Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS erhöht?

ADHS kann bereits in der frühsten Kindheit zu auffälligen Verhaltensmustern führen. Inwieweit Kinder und Jugendliche mit ADHS jedoch gewaltbereiter und aggressiver sind als Gleichaltrige, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Einige Experten beobachten, dass Jugendliche mit ADHS und ausgeprägter Hyperaktivität häufiger und extremer gewalttätig werden als ihre Gleichaltrigen. Dafür wird maßgeblich ihre gestörte Impulskontrolle verantwortlich gemacht.

Zudem besteht meist eine ausgesprochene Neugierde und Offenheit allem Spannendem und Interessantem gegenüber. Das kann Jugendliche mit ADHS ebenso dazu bewegen, problematisches und antisoziales Verhalten auszuprobieren und zu übernehmen.

Es besteht aber auch die Auffassung, dass es manchmal durch mangelnde Zuwendung und den falschen Umgang von Eltern mit dem schwierigen Kind zu einer höheren Gewaltbereitschaft kommen kann. Ohne es zu wissen, sind Eltern ja nicht selten ebenfalls von ADHS betroffen. Diese Eltern haben meist große Probleme, ihr Leben in den Griff zu bekommen, mit ihrer Impulsivität und Sprunghaftigkeit zurecht zu kommen und Regeln zu setzen. Ein Kind, dessen Mutter oder Vater unter ADHS leidet, wird früh durch ein problematisches Erziehungsmilieu geprägt, das ungehaltenes und aggressives Verhalten noch verstärken, ja sogar erst zum Ausbruch bringen kann.

Kinder mit ADHS, die ein geborgenes Zuhause mit festen Regeln und Anforderungen kennenlernen und mit sanftem Druck liebevolle Unterstützung erfahren, sind allem Anschein nach weniger gefährdet, sozial auffällig zu werden oder eine Störung des Sozialverhaltens zu entwickeln.

Wie zeigt sich eine Störungen des Sozialverhaltens?

Die “Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme” ICD-10 (F91) beschreibt Störungen des Sozialverhaltens wie folgt:

„Störungen des Sozialverhaltens sind durch ein sich wiederholendes und anhaltendes Muster dissozialen, aggressiven und aufsässigen Verhaltens charakterisiert. In seinen extremsten Auswirkungen beinhaltet dieses Verhalten gröbste Verletzungen altersentsprechender sozialer Erwartungen. Es soll schwerwiegender sein als gewöhnlicher kindischer Unfug oder jugendliche Aufmüpfigkeit. Einzelne dissoziale oder kriminelle Handlungen sind allein kein Grund für die Diagnose, für die ein andauerndes Verhaltensmuster gefordert ist.

Merkmale der Störungen des Sozialverhaltens können symptomatisch auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen auftreten, dann ist die zugrundeliegende Diagnose zu kodieren. Störungen des Sozialverhaltens können sich in einigen Fällen zu dissozialen Persönlichkeitsstörungen (F60.2) entwickeln. Eine Störung des Sozialverhaltens tritt oft zusammen mit schwierigen psychosozialen Umständen, wie unzureichenden familiären Beziehungen und Schulversagen auf; sie wird bei Angehörigen des männlichen Geschlechte häufiger gesehen. Die Unterscheidung von einer emotionalen Störung ist gut belegt; ihre Abgrenzung gegen Hyperaktivität ist weniger klar, hier sind Überschneidungen häufig.”

In den Leitlinien der ICD-10 wird darauf hingewiesen, dass Störungen des Sozialverhaltens gemeinsam mit einer hyperkinetischen Störung auftreten können. Bei gemeinsamem Auftreten beider Störungen ist das Risiko für ein Abgleiten in die Kriminalität, aber auch für einen Drogen- bzw. Alkoholmissbrauch nachweislich erhöht.

Besteht bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS eine größere Suchtgefährdung?

Einige Experten gehen davon aus, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS, die nicht medikamentös behandelt werden, stärker suchtgefährdet sind als die gesunden oder nicht medikamentös therapierten Gleichaltrigen. Auf der anderen Seite wird auch darüber diskutiert, ob nicht sogar die Behandlung mit Stimulantien zu einem erhöhten Drogenkonsum in späteren Jahren führen kann. Bisher wurden verschiedene Untersuchungen zu beiden Hypothesen mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen veröffentlicht:

Eine Langzeitstudie von Biedermann et al. hat ergeben, dass ADHS-Jugendliche, die medikamentös therapiert werden, ein um 85 Prozent niedrigeres Risiko für Drogenmissbrauch haben, als Betroffene, die nicht behandelt werden. Allerdings wurden in dieser Studie nur 19 nicht medikamentös behandelte ADHS-Jugendliche mit 56 ADHS-Jugendlichen verglichen, die eine Behandlung mit Psychopharmaka erhielten. In der Studie wird lediglich erwähnt, dass die Patienten mit Stimulantien behandelt werden. Genauere Angaben fehlen. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar auf potentielle Auswirkungen der Behandlung mit Ritalin übertragen.

Lambert und Hartsough haben im Gegensatz dazu in einer Studie festgestellt, dass Kinder mit Ritalinbehandlung später im Jugendalter ein erhöhtes Risiko für Nikotin- und Kokainmissbrauch haben.

Auch Huss et al. haben in einer Langzeitstudie überprüft, ob Ritalinbehandlung über einen längeren Zeitraum den Missbrauch von Drogen fördert. Die Untersuchung ergab, dass bedeutend weniger behandelte als unbehandelte Jugendliche Drogen konsumiert hatten. Die Studie bestätigte somit die Ergebnisse von Biedermann et al.. Aus den Ergebnissen wird gefolgert, dass Ritalin bei ADHS-Patienten eine stabilisierende Wirkung hat und auf diese Weise Drogenmissbrauch vorbeugt.

Möglicherweise sind Kinder und Jugendliche mit ADHS aufgrund ihrer Reizoffenheit und Impulssteuerungsschwäche stärker suchtgefährdet. Sie sind häufig sehr neugierig und überaktiv. Gleichzeitig ermüden sie schnell in Situationen, die sie als monoton und langweilig empfinden. Sie brauchen einen “Kick”, um sich zu spüren. Daher sind Kinder und Jugendliche mit ADHS mehr als andere auf der Suche nach anhaltender Reizstimulation. Drogen wie Kokain oder Ecstasy putschen auf und kommen diesem Bedürfnis entgegen. Dämpfende Drogen, wie Heroin oder andere Opiate, wirken beruhigend und helfen, den konfliktreichen Alltag mit ADHS besser zu bewältigen.

Kinder und Jugendliche mit ADHS suchen inneren Halt und Identifikation mit Gleichaltrigen in viel stärkerem Ausmaß, als dies bei Pubertierenden ohnehin der Fall ist. Viele von ihnen sind daher besonders leicht beeinflussbar und damit anfälliger für Drogensucht und extremes Verhalten. Möglicherweise stellt die Einnahme von Drogen für manche ADHS Patienten einen Versuch der Selbstmedikation gegen ihre übermäßige Unruhe, Sensibilität und Verletzlichkeit dar. Das scheint vor allem bei Cannabis-, Alkohol- und Kokainmissbrauch der Fall zu sein. Sucht ist nicht immer an den Konsum einer Substanz gebunden. Auch Fernsehen, Computerspiele, Surfen im Internet, Automatenspiele oder Einkaufen können “zur Sucht” werden. Übertriebenes Arbeiten, gefährliche Hobbys und Risikosportarten weisen ebenfalls auf ein Suchtverhalten hin.

Die Behandlung mit Stimulantien vermag bei ADHS-Kindern dazu beizutragen, dass sie ihre Schulleistungen verbessern und sich besser anpassen können, weil Impulskontrolle und Konzentrationsfähigkeit verbessert werden. Es lässt sich daher vermuten, dass Zahl und Schwere der Lebensprobleme durch die Therapie mit Stimulantien reduziert werden können und dadurch auch das Suchtrisiko abnimmt.

Allerdings zeigen die genannten Studien, dass das Suchtrisiko bei Jugendlichen mit ADHS lediglich auf das der Normalbevölkerung reduziert werden konnte. Ritalin eignet sich also nicht generell zur Verminderung von Suchterkrankungen.

Was tun, wenn das Kind auffällig wird?

Eltern von Kindern und Jugendlichen mit ADHS sollten sich über die gängigen Drogen informieren, da ihr Kind durch seine Störung besonders suchtgefährdet ist.

Wenn Eltern bei ihrem Kind Verhaltensweisen und Auffälligkeiten feststellen, die auf einen regelmäßigen Drogenkonsum hindeuten, sollten sie ruhig und sachlich bleiben. Sie sollten versuchen, mit dem Jugendlichen zu reden, ihm klar zu machen, dass Drogen keine Lösung darstellen und zunächst die weitere Entwicklung beobachten. Wenn Eltern in dieser Situation keinen Zugang mehr zu ihren Kindern bekommen, sollten sie Hilfe bei entsprechenden Beratungsstellen suchen, bevor das Kind abzurutschen droht.

Stellen Eltern bei ihrem Kind Verhaltensweisen fest, die auf ein gestörtes Sozialverhalten hindeuten, sollten sie einen Psychotherapeuten, Psychologen oder Sozialpädagogen aufsuchen, der Kind und Eltern wirksam helfen kann.

Für Kinder und Jugendliche mit ADHS ist ein intaktes und stabiles Familienleben, das emotionalen Halt gibt, besonders wichtig. Dadurch wird die Gefahr des Drogenmissbrauchs herabgesetzt.

Hierarchie
Gesundheitstipp: Gewaltbereitschaft und Suchtgefährdung bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS

Krankheiten & Symptome

Erkältung

Grippe

Halsschmerzen

Husten

ADHS

Adipositas

Adipositas; Diabetes

ADS

Akne

Alkoholkrankheit

Allergie

Allergische Rhinitis

Allergischer Schnupfen

Alzheimer

Angst

Angststörungen

Anorexia nervosa

Arterienverengung

Arteriosklerose

Arthritis

Arthrose

Arzneimittelunverträg …

Asthma

Autismus

Bauchschmerzen

Blähungen

Blasen- oder Lungenent …

Blasenschwäche

Blutdruck

Blutgerinnung

Bluthochdruck

Blutvergiftung

Borreliose

Bronchitis

Brustkrebs

Bulimie

Burnout-Syndrom

CED

Cervix Karzinom

Chronical Obstructive …

Chronisch Entzündlich …

Chronische Erkrankunge …

Chronischer Bronchitis

Colitis ulcerosa

Colitisulcerosa

COPD

Darmkrebs

Darmträgheit

Demenz

Depression

Depressionen

Depressionen; Diabetes

Dermatitis solaris acu …

Diabetes

Diabetes mellitus

Diabetischer Fuß

Diphtherie

Disstress

Durchblutungsstörung

Durchblutungsstörunge …

Durchfall

Dyspepsie

Eisenmangel

Eiszapfen-Effekt

Entzündungen

Enuresis

Epilepsie

Erbrechen

Erektile Dysfunktion

Erektionsstörung

Erschöpfung

Erschöpfungssyndrom

Fahrangst

Fettleber

Fibromyalgie

Fibromylagie

Fibromylagiesyndrom

Fieber

Flugangst

Fraktur

Frühsommer-Meningo-En …

FSME

Fuß- und Nagelpilz

Fußschmerzen

Ganzkörperschmerz

Gebärmutterhalskrebs

Glaukom

Glykiertem Hämoglobin

Grauer star

Grippe Impfung

Grüner Star

Gürtelrose

Haarausfall

Haemophilus influenza …

Hämophilie

Hämorrhoiden

Harnwegsentzündungen

Harnwegsinfektion

Hausstaubmilbenallergi …

HAut

Hautabschürfungen

Hautausschlag

Hauterkrankungen

Hautflecken

Hautkrebs

Hepatische Encephalopa …

Hepatitis

Hepatitis A

Hepatitis B

Herbst

Herz

Herz-Kreislauf-Erkrank …

Herzinfarkt

Herzkrankheit

Herzphobie

Herzrhythmusstörungen

Heuschnupfen

Hib

Husten und Gliederschm …

Hypoglykämie

Imfpung

Immunsystem

Influenza

Inhalationsallergie

Insektenstich-Allergie

Jodmangel

Keuchhusten

KHK

Kinderlähmung

Knochenmetastasen

Kopflausbefall

Kopfschmerzen

Krampfadern

Krebs

Kuhmilchallergie

Lähmungserscheinungen

Lebensmittelintoleranz

Leberkrebs

Leberverfettung

Leberzirrhose

Magenschmerzen

Magersucht

Makuladegeneration

Malaria

Manganmangel

Mangelerscheinung

Masern

Meningokokken

Metabolisches Syndrom

Migräne

Mineralstoffmangel

Morbus Crohn

Morbus Parkinson

MPS

Multiple Sklerose

Mumps

Muskelfaserriss

Muskelzerrung

Myom

Nagelpilzrkrankungen

Nasen-Nebenhöhlenentz …

Nebenhöhlenentzündun …

Neurodermitis

Niesen

Obstipation

Ohrgeräusche

Osteoporose

Parodontitis

PAVK

Pneumokokken

Polio

Pollenallergie

Polyarthritis

Prostatakrebs

Prüfungsangst

Psoriasis

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Reflux

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Reizdarmsyndrom

Reizdarmsyndroms

Restless Legs Syndrom …

Rheuma

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Röteln

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Schlafstörungen

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Thrombosen

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Zoster

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Zwangsstörungen

Blickpunkt

  • Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen:
    Colitis ulcerosa

    Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind als chronisch entzündliche Darmerkrankungen bekannt. Es handelt sich dabei um Darmentzündungen, mit denen der Betroffene sich meist lebenslang auseinandersetzen muss. Kennzeichnend für chronisch entzündliche Darmerkrankungen ist, dass es in Intervallen zu schmerzhaften Entzündungsschüben kommt, die sich mit Phasen abwechseln, in denen die Symptome gar nicht oder nur abgeschwächt vorhanden sind.

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